40 Jahre in 40 Geschichten: Jan Venema
40 Jahre hinter den Kulissen von UNIFORM-Agri
Wer die Geschichte von UNIFORM-Agri erzählen möchte, kommt an Jan Venema eigentlich nicht vorbei. Dennoch ist es gut möglich, dass viele Kunden seinen Namen nicht kennen. Während seine Kollegen für die Kunden sichtbar waren, arbeitete Jan all die Jahre lieber hinter den Kulissen. Das passt auch zu seinem Charakter. Während des Interviews muss er lachen, als er gefragt wird, warum er nur selten auf Fotos zu sehen ist. „Ja, das ist dir aufgefallen“, sagt er bescheiden. „Das liegt einfach an meinem Charakter.“ Zum 40-jährigen Jubiläum macht Jan deshalb eine Ausnahme. Denn seine Geschichte beginnt noch vor der offiziellen Gründung von UNIFORM-Agri.
Alles begann in einem Auto auf dem Weg nach Hoogeveen
Ende der 1970er-Jahre studierte Jan noch Chemische Technologie. Computer waren damals alles andere als selbstverständlich. Dennoch war er von den Möglichkeiten der ersten Heimcomputer fasziniert.
Mit seinem TRS-80 besuchte er regelmäßig einen Computerclub in Hoogeveen. Dort lernte er unter anderem Wieger Kuijer von Kuijer Computersystemen und einen Mitarbeiter des Tiergesundheitsdienstes kennen. Während einer dieser Autofahrten entstand eine Idee, die schließlich zur Grundlage von UNIFORM-Agri werden sollte.
Milchviehhalter arbeiteten damals mit Karteikästen voller Kuhdaten. Die Frage war einfach: Könnte man das nicht digitalisieren? „Eigentlich hat dort alles angefangen“, erzählt Jan. Er schrieb eines der ersten Programme, mit dem die Informationen aus den Karteikästen digital erfasst und durchsucht werden konnten. Was als Lösung für den Embryotransfer begann, entwickelte sich nach und nach zu einem vollständigen Managementsystem für Milchviehhalter.

Der TRS-80, einer der ersten Computer, mit denen Jan seine Software entwickelte.
Vom Studenten zum Softwareentwickler
Obwohl Jan offiziell Chemische Technologie studierte, wusste er bereits während seines Praktikums in der Industrie in Rotterdam, dass seine Zukunft woanders lag. „Als ich erst einmal mit Computern in Berührung gekommen war, war es eigentlich vorbei.“ Abends entwickelte er Software, während er tagsüber studierte. Schließlich setzte sich seine Leidenschaft für die Automatisierung gegenüber der Chemie durch.
Gemeinsam mit Wieger Kuijer arbeitete er an verschiedenen Softwarepaketen. Nicht nur für die Landwirtschaft, sondern unter anderem auch für den Obstbau, Kartoffelanbau, die Buchhaltung und sogar für Podologen. Das Softwarepaket für die Viehwirtschaft erhielt den Namen Vekusoft. Ursprünglich stand der Name für Venema-Kuijer Software, wurde später jedoch aus kommerziellen Gründen angepasst.
Angefangen über einer Garage
Wie bei so vielen erfolgreichen Technologieunternehmen begann auch diese Geschichte an einem unerwarteten Ort: über einer Garage in Ter Aard. Mit einigen wenigen Schreibtischen auf dem Dachboden wurde an Software gearbeitet, die Milchviehhalter bei ihrer Betriebsführung unterstützen sollte. Niemand konnte damals ahnen, dass dort der Grundstein für ein Unternehmen gelegt wurde, das vierzig Jahre später in Dutzenden Ländern aktiv sein würde. „Wir saßen wirklich über einer Garage.“ Später folgten mehrere Umzüge innerhalb von Assen, während das Unternehmen langsam weiterwuchs.
Vom Kopieren von Disketten zur internationalen Software
Als das Unternehmen Ende der 1980er-Jahre eine schwierige Phase durchlief, wurde beschlossen, sich vollständig auf die Milchviehhaltung zu konzentrieren. Unter der Leitung von Harm-Jan van der Beek wurde ein neuer Kurs eingeschlagen. Für Jan änderte sich weniger. Er machte weiterhin das, was er schon immer getan hatte: dafür sorgen, dass alles funktionierte. Und das umfasste tatsächlich fast alles. Er installierte Computer bei Kunden, entwickelte Schnittstellen zu Fütterungscomputern, kümmerte sich um die Hardware, half bei der Verwaltung und verschickte Software-Updates an die Anwender. „Eigentlich habe ich fast jede Funktion innerhalb von UNIFORM-Agri einmal ausgeübt.“
Software-Updates wurden damals noch auf Disketten verschickt. Gemeinsam mit seinen Kollegen kopierte Jan Hunderte von Disketten, die anschließend per Post an die Kunden versendet wurden. Später kamen CDs und DVDs, bis die Updates schließlich online bereitgestellt wurden.
Einer der Wegbereiter des digitalen Datenaustauschs
Eine wichtige Entwicklung, an der Jan intensiv beteiligt war, war die Digitalisierung des Datenaustauschs in der Milchviehhaltung. Er wirkte an der Entwicklung von UNINET mit, einem System, mit dem Milchviehhalter Daten an Organisationen wie CRV und andere Partner innerhalb der Branche übermitteln konnten. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals revolutionär. Die Daten wurden über Modems und Telefonleitungen an zentrale Systeme übertragen. In der Noordstaete standen sogar ganze Reihen von Computern mit Modems, um sämtliche Nachrichten zu verarbeiten. „Heute ist das ein einziges kleines System. Damals standen dafür zwölf Computer.“
Von Kühen bis zu Bisons
Im Laufe der Jahre besuchte Jan verschiedene Milchviehbetriebe. Obwohl er selbst keinen landwirtschaftlichen Hintergrund hat, lernte er die Branche aus nächster Nähe kennen. Dabei kam es manchmal zu besonderen Situationen. Bei einer der ersten Schnittstellen zu einem Fütterungscomputer stand er zwischen den Kühen, um zu überprüfen, ob das System funktionierte. Zu seiner Überraschung kamen die Tiere begeistert auf ihn zugelaufen. „Damals fand ich Kühe noch ziemlich beeindruckend.“ Einige Jahre später arbeitete er sogar an einem Projekt mit Bisons in den Vereinigten Staaten mit. Dort stellte er fest, dass eine Bisonherde noch etwas mehr Respekt einflößt als eine Gruppe Milchkühe.
Noch immer an der Zukunft bauen
Vierzig Jahre nach den ersten Programmen ist Jan noch immer bei UNIFORM-Agri tätig. Heute arbeitet er als ICT-Manager und beschäftigt sich mit der Infrastruktur, Updates, der Stabilität der Systeme und der Weiterentwicklung der Cloud-Umgebung. Und wieder bleibt die Technik nicht stehen. Während früher Disketten kopiert wurden, beschäftigt sich Jan heute mit KI, Cloud-Plattformen und neuen Entwicklungsmethoden. Doch eines hat sich in all den Jahren kaum verändert: seine Verbundenheit mit dem Unternehmen. Von einem Dachboden über einer Garage bis hin zu einem internationalen Softwareunternehmen: Jan hat alles miterlebt. Meist außerhalb des Rampenlichts, aber immer ganz nah dran. Vielleicht ist es genau das, was seine Geschichte so passend für 40 Jahre UNIFORM-Agri macht.
